Was ist eigentlich Borderline? – eine Sicht von Betroffenen
Was ist eigentlich Borderline? – eine Sicht von Betroffenen

Was ist eigentlich Borderline? – eine Sicht von Betroffenen

Die Borderlinestörung ist eine Störung, die durch starke Traumata ausgelöst wird, sowohl in der eigenen Kindheit als auch durch Vererbung. Es gibt mittlerweile Studien, die zeigen, dass sich starke psychische Traumata auch genetisch vererben können, d.h. Kinder und Enkel von Menschen mit einem starken Kriegstrauma oder anderen sehr heftigen Erfahrungen sind davon besonders betroffen.

Bei einer Borderlinestörung ist es schwieriger, sich selbst und Anderen zu vertrauen. Dadurch entstehen oft Krisen, da die Zuversicht fehlt, dass man Herausforderungen meistern wird oder dass man die Hilfe erhalten wird, die man benötigt.

Borderline-Patient:innen wirken auf Andere oft irrational, weil sie ein wenig in „ihrer eigenen Realität“ leben, die leider sehr feindselig und belastend ist. Die Störung geht mit einem starken Gefühl der Einsamkeit einher. Einerseits fällt es schwer, Sozialkontakte zu haben, da Andere das eigene Verhalten oft nicht nachvollziehen können. Andererseits kann man sich selbst innerhalb einer Gemeinschaft allein, anders und unverstanden fühlen.

Durch das sogenannte „vergangene Erleben“, was ebenfalls eine Traumareaktion ist, verschwimmen in der eigenen Wahrnehmung oft die Grenzen zwischen der aktuellen Realität und einer vergangenen Situation. Dies führt zu emotionalen Flashbacks und dadurch zu Reaktionen, die auf Andere überzogen und unangemessen wirken. Aus Sicht der betroffenen Person machen sie jedoch Sinn, da sie durch das Flashback sozusagen wieder in eine vergangene, sehr belastende Situation katapultiert wird. Es erfordert viel Disziplin und Reflektion, solche Flashbacks zu erkennen und gegen sie anzukommen.

Die Borderlinestörung geht oft mit anderen psychischen Erkrankungen einher, teils bedingen sich diese Erkrankungen gegenseitig. Typische Komorbiditäten sind ADHS, Depressionen, Essstörungen, Suchterkrankungen, Angststörungen und Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung.

Menschen mit Borderline haben mit der richtigen Hilfe jedoch die Möglichkeit, ihre Steuerungsfähigkeit drastisch zu verbessern und eine bessere Lebensqualität zu erreichen. Je nach verfügbaren Therapieformen und den Präferenzen der Patient:innen haben sich neben traumaspezifischen Therapien auch Therapieformen wie DBT, Schematherapie oder kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Leider sind die Borderline-spezifischen Therapieplätze jedoch noch sehr dünn gesät, sodass man je nach Wohnort keinen Zugang hat, oder sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Generellere Therapieansätze, z.B. für Depressionen, sind bei einer Borderline-Störung leider nicht dauerhaft effektiv, weil sie nur die Symptome behandeln, während die Störung, die diese Symptome verursacht, weiter unbehandelt bleibt und die Patient:innen immer wieder in Krisen stürzt. Daher ist es leider nicht sehr hilfreich, auf andere Angebote auszuweichen. Es wäre gut, mehr Borderline-spezifische Angebote zu schaffen, sodass wir die Hilfen erhalten können, die unsere Gesundheit wirklich nachhaltig verbessern.

– starke innere Anspannungszustände

– starke Stimmungsschwankungen

– scheinbar kleine Anlässe (äußere Reize oder Gedanken) führen zu starken Emotionen,
die schwer wieder heruntergefahren werden können

– Überschwemmt werden von starken Emotionen

– schlechtes Selbstbild, Gefühl von Wertlosigkeit

– starkes Bedürfnis nach Harmonie in Beziehungen und Angst vor Beziehungsabbruch bei vermutetem Streit

– depressive Verstimmungen

– dysfunktionale Arten mit hoher Anspannung umzugehen (übermäßiges Schlafen/Essen)